Sachsen bildet autoritär (SBA)

Ein Kommentar zur drohenden Schließung der Natur-und Umweltschule Dresden.

Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Bautzen der Dresdner Natur-und Umweltschule (NUS) keine Genehmigung zum Betrieb einer Grundschule zu erteilen ist ein Angriff auf die Freiheitsrechte. In der Logik konservativer Machterhaltung ist die Entscheidung jedoch nur konsequent.

Nach Auffassung des OVG liegt kein besonderes pädagogisches Interesse vor die NUS zu betreiben. Kinder haben demnach grundsätzlich auf eine staatliche Grundschule zu gehen. Den Unterricht anders als an den öffentlichen Schulen zu 50 % unter freiem Himmel stattfinden zu lassen, begründe kein besonderes pädagogisches Interesse. Die damit vermittelten Kompetenzen, die den Stadtkindern neben Rechnen, Lesen und Schreiben ein Verständnis für ihre Umwelt, ökologische Zusammenhänge und Nachhaltigkeit geben könnten, sind kein zu schützendes Gut im Freistaat Sachsen. Das in der freien Schulumgebung ein anderes soziales Miteinander und ein besonderes Interesse an gegenseitigem Vertrauen und Respekt eine Rolle spielen ist den sächsischen Entscheidungsträger*innen selbstredend egal. Sachsen ist das Land der Techniker*innen, Ingenieur*innen und Neonazis und nicht das Land der Ökos, Hippies und Alternativen.

Das Sächsische Landesamt für Schule und Bildung (LaSuB; ehemals Sächsische Bildungsagentur) hat seit dem Start der Schule vor 7 Jahren einen Kleinkrieg gegen den Träger der Schule und das Personal geführt. Das Freiheitsrecht in einer anderen Umgebung und mit anderen Methoden zu lernen, als es der Staat festschreibt, wurde mit Füßen getreten. Die Schule konnte nur mit einer einstweiligen Verfügung starten und erwirkte in erstinstanzlicher Entscheidung eine Genehmigung. Trotz des Drucks und der Schikanen durch die LaSuB, die alle Kräfte in Bewegung setzte um die NUS zu schließen, schufen die Pädagog*innen und Eltern der Schule in unzähligen ehrenamtlichen Stunden und mit enormer Begeisterung eine Lernumgebung die dazu führte, dass die Kinder gern zur Schule gingen. Es wird in Dresden wenige Grundschulen geben an denen Kinder in der Lernzeit so viel rennen, lachen und fragen wie an der NUS.

Die autoritäre Art mit welcher jahrelang gegen das Projekt vorgegangen wurde, offenbart nicht nur, dass diejenigen, die an den Hebeln der Macht in diesem Bundesland sitzen kulturkonservativ sind und sich neuen Ideen verschließen. Es zeigt insbesondere, dass die sächsischen Verwaltungsbehörden obrigkeitsstaatlichen Fantasien der DDR-Vergangenheit anhängen. Gerade diese Mischung aus rechtem Konservatismus und DDR-Verklärung macht dieses Land zu dem was es ist. Der Fetisch für Verbote, Verordnungen und Kontrolle ist ausgeprägt, wie nirgendwo in Deutschland. Wäre Sachsen nicht Teil der Bundesrepublik, dann würden dort schon längst ungarische „Demokratie“-Verhältnisse herrschen.

Die konservativen Strategen wissen, dass Kinder, die in einer solchen Umgebung lernen und aufwachsen, wie sie ihnen die NUS bietet, am Ende gefährlich werden. Freie Schulen, die vom Engagement emanzipatorischer Elternschaft leben, sind eine Keimzelle für gesellschaftliche Veränderungen. In Umgebungen wie diesen, werden aus den Kindern bald Jugendliche, die widerständig sind, die sich mit den bestehenden Verhältnissen nicht abfinden und wissen, dass eine Gesellschaft auch anders funktionieren kann. Die jungen Menschen, die Schulen wie diese verlassen, werden sich einem autoritären Politikverständnis sehr wahrscheinlich in den Weg stellen und den weißen Männern in ihren grauen Anzügen mit tiefer Ablehnung begegnen.

In der Logik einer ordnungspolitischen konservativen Politik ist die Schließung der NUS deshalb nur konsequent. Die konservative, reaktionäre Herrschaft über Sachsen, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert ununterbrochen besteht, wird man sich doch schließlich nicht von ein paar Kindern irgendwelcher linker Öko-und Hippie-Eltern gefährden lassen.

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