Archiv für März 2012

Guter Mythos, schlechter Mythos

Jungle World Nr. 8, 23. Februar 2012

von Philipp Klein und Michael Bergmann

Die Aufmärsche der Naziszene zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten verliefen wenig erfolgreich. Dafür wird der Opfermythos von offizieller Seite gepflegt.

Nach Ansicht des amtierenden Dresdner Oberbürgermeisters Dirk Hilbert (FDP) war es vor allem ein Triumph des Gedenkens: »Das oberste gemeinsame Ziel der ›AG 13. Februar‹ war ein gewaltfreies Gedenken und Erinnern. Und das haben wir erreicht.« Die »AG 13. Februar«, ein Bündnis aus Vertretern von Stadt, Parteien und zivilgesellschaft­lichen Organisationen, hatte für den Jahrestag der Bombardierung Dresdens durch die Alliierten eine Menschenkette organisiert. Etwa 16 000 Dresd­ner Bürger folgten dem Aufruf und nahmen sich um Punkt 18 Uhr bei den Händen, um so der »Opfer des Krieges« zu gedenken.

Gegen diese relativierende Sichtweise richtete sich eine kleine antifaschistische Demonstration entlang der Menschenkette. Mit Sprechchören und Transparenten wollten die Teilnehmenden darauf hinweisen, dass deutsche Täter keine Opfer seien. Bereits am Nachmittag kam es zu Protesten gegen den in Dresden gepflegten Opfermythos. Etwa 2 500 Personen nahmen an einem Mahngang unter dem Motto »Täterspuren« teil, der Station an Orten nationalsozialistischer Verbrechen machte, um das Bild von der »unschuldigen Kunst- und Kulturstadt« als falsch zu entlarven. Außerdem plädierten Antifaschisten unter der Losung »Es gibt nichts zu gedenken« während der offiziellen Gedenkveranstaltung auf dem Heidefriedhof für die vollständige Abschaffung des Gedenkens am 13. Februar.

Während Dresdner Bürger Händchen hielten, ging es einige hundert Meter entfernt um mehr als Symbolpolitik. In der Innenstadt hatten Hunderte Demonstranten, dem Aufruf des Bündnisses »Dresden nazifrei« folgend, Blockaden auf der Route errichtet, die eigentlich für den Fackelmarsch des nazistischen »Aktionsbündnisses gegen das Vergessen« vorgesehen war. Die Polizei ließ die Demonstranten oftmals gewähren und schritt nur halbherzig ein. Im Nachhinein machte sie sich gar zum Partner von »Dresden nazifrei« und sprach von einer »unausgesprochenen Kooperation«. Polizeisprecher Thomas Geithner sagte im Interview mit dem MDR: »Beide Seiten ­haben ihren Anteil daran, dass alles so friedlich verlaufen ist.« So viel Umarmung durch die Polizei kam für die Demonstranten überraschend, angesichts der anhaltenden Kriminalisierung anti­faschistischen Engagements in Sachsen war es ihnen wohl auch etwas unangenehm. »Dresden nazifrei« betonte deshalb, dass die Blockaden trotz »polizeilicher Verfolgung« und trotz »sächsischer Verhältnisse« erfolgreich gewesen seien.

Wegen der Blockaden war die Demonstrationsroute der Nazis gerade einmal 1200 Meter lang. Nach Angaben des Dresdner »Antifa Recherche Teams« fanden sich mit 1 800 Teilnehmern – im Vergleich zu den Vorjahren – relativ wenige Neonazis in Dresden ein, die zudem ein schwaches Bild abgaben. Hatte sich der Anmelder Maik Müller 2011 noch lauthals über fehlende organisato­rische Fähigkeiten der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) beschwert, zeigte er nun, dass er es nicht besser kann: Die Ordner des »Freien Netzes« verweigerten teilweise den Dienst, zwei von drei Redebeiträgen kamen von der NPD, obwohl Müller in der Vergangenheit immer wieder größtmögliche Parteiferne gefordert hatte, und etwa 400 Nazis entschieden sich, auf der Hälfte der Route stehenzubleiben, weshalb es zu verbalen Auseinandersetzungen unter den Marschierenden kam, die schließlich in kleineren Rangeleien gipfelten. »Dresden nazifrei« bezeich­nete deshalb den Trauermarsch als »Lachnummer«.

Noch schlechter lief es für die Naziszene am da­rauffolgenden Samstag, den sie in der Vorjahren für einen Großaufmarsch genutzt hatte. Ihre Demonstrationsanmeldung hatte die JLO bereits vorher zurückgezogen, eine Demonstration der linken Szene mit bis zu 10 000 Teilnehmern sorgte dafür, dass sich ortsansässige Neonazis zeitweise nicht auf die Straßen ihrer Stadt wagten. Dresden schien für einige Stunden tatsächlich nazifrei zu sein. »Der Nazigroßaufmarsch in Dresden ist Geschichte«, vermeldete denn auch »Dresden nazifrei« am 18. Februar. Doch auch wenn die Nazis für einen Tag eingeschüchtert werden konnten und die Wirkung dieser Demonstration für die Antifaszene selbst von großem Wert ist, sollte man diese Erfolge nicht überbewerten.

Denn während die Antifaschisten quer durch die Stadt zogen, versammelte sich auf dem Dresdner Schlossplatz die politische Prominenz des Freistaats und demonstrierte anschaulich, warum ausgerechnet das Gedenken an die Bombardierung Dresdens so anschlussfähig für die Naziszene ist. Nora Lang, eine Überlebende der Bombardierung, sprach neben Eugeniusz Kołodziejczyk, der den deutschen Bombenangriffs auf die pol­nische Stadt Wielun am 1. September 1939 erlebt hat. Die Gleichsetzung der Opfer des Naziterrors mit den getöteten Deutschen in der Gauhauptstadt Dresden wurde so zum Programm. Ob es sich bei den Toten des 13. Februar wirklich ausnahmslos um Opfer handelt, steht nicht zur ­Debatte. Dabei nimmt es sich die deutsche Trauergemeinschaft gar heraus, von »Versöhnung« zu sprechen, und lobt sich selbst dafür, den Alliierten die Angriffe auf Nazideutschland verziehen zu haben. Der Hauptredner Jochen Vogel (SPD) sagte etwa, Dresden verkörpere symbolisch, dass »Krieg, Zerstörung und massenhafter Tod« nicht die »letzte Antwort der Geschichte« seien; die Stadt stehe dafür, dass »der Wille zum Frieden und zur Versöhnung stärker als Feindschaft und Hass« seien.

Frank Richter, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung und Moderator der »AG 13. Februar«, resümierte in einer Pressemitteilung, dass man »ein friedliches Zeichen für die Demokratie und gegen Extremismus gesetzt« habe. In einem Interview mit dem MDR sagte er: »Wir haben eine geschlossene Stadt erlebt, die in großer Friedlichkeit und in großer ­Einigkeit gegen den Missbrauch der Geschichte durch die Rechtsextremisten protestiert und gleichzeitig ein würdiges Gedenken vollzogen hat.« Und solange die einen meinen, dass sie das »wahrhaftige« oder das einzig »würdige« Gedenken an die Toten der Bombardierung gepachtet haben, werden es sich die Nazis nicht nehmen lassen, daran anzuknüpfen und ihre Version des Geschichtsrevisionismus in die Öffentlichkeit zu tragen.

Zwischen Coventry und Leningrad

Jungle World Nr. 4, 26. Januar 2012

von Michael Bergmann

Zum Jahrestag der Bombardierung Dresdens werden Neonazis auch diesmal einen Fackelmarsch abhalten. Auf eine zusätzliche Großdemonstration scheint die Szene jedoch zu verzichten. Die Auseinander­setzung mit dem deutschen Opfermythos wird indessen vernachlässigt.

Die Generalprobe für den Großaufmarsch von Neonazis Mitte Februar in Dresden ist gelaufen. Vergangene Woche marschierten rund 1 300 Neonazis durch die Magdeburger Innenstadt, um der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg zu gedenken. Aus Sicht der Rechtsextremisten lief die Demonstration störungsfrei, obwohl etwa 10 000 Menschen gegen den Aufmarsch protestierten: Die Gegendemonstranten hatten eine Menschenkette um die Innenstadt gebildet, als symbolischen »demokratischen Schutzwall« gegen die Neonazis; Blockadeversuche scheiterten. In einer Reportage des MDR wurde resümiert: »Die Magdeburger haben aus einem schwierigen Anlass ein buntes Fest gemacht, weder Rechts- noch Linksextreme haben heute die Stadt dominiert.« In Dresden könnte es am Abend des 13. Feb­ruar ähnlich laufen – mit dem Unterschied, dass man dort mit doppelt so vielen Neonazis wie in Magdeburg rechnen muss. Wie in jedem Jahr wollen sie dort, anlässlich der Bombardierung Dresdens, mit Fackeln durch die Stadt marschieren.

Unklar ist weiterhin, was auf die Stadt am Samstag nach dem 13. Februar zukommt. An diesem Tag fanden zumindest in den Vorjahren die Aufmärsche der Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland (JLO) statt. Das Bündnis »Dresden Nazifrei«, das diese zuletzt erfolgreich blockiert hatte, ruft auch in diesem Jahr für den Samstag zu Massenblockaden auf. Nach Informationen des Dresdener »Antifa-Rechercheteams« (ART) findet jedoch diesmal kein ernstzunehmender Nazi-Aufmarsch am Samstag statt. »Die Nazis aus der freien Kameradschaftsszene wollen keine Demo an diesem Tag, und die JLO ist nicht in der Lage, so etwas allein zu organisieren«, sagte Simone Ritter vom ART im Gespräch mit der Jungle World. Außerdem sei die NPD, die in der Vergangenheit ebenfalls am Wochenende aufmarschierte, »zurzeit zurückhaltend«. Ritter zufolge »wird sie sich da anschließen, wo sie den geringsten Aufwand hat«. Dafür habe der traditionelle Fackelmarsch am 13. Februar innerhalb der Szene an Bedeutung gewonnen.

Auch Falk Kämpfer, Pressesprecher des Landesamtes für Verfassungsschutz Sachsen, bestätigt, dass für den Samstag »bis auf einzelne Meinungsäußerungen von Rechtsextremisten im Internet noch keine öffentliche Mobilisierung zu verzeichnen« sei. Dies lasse ihn annehmen, dass eine Demonstration der Neonazis am Wochenende, falls sie überhaupt stattfindet, deutlich kleiner sein werde als der Fackelmarsch, den das »Aktionsbündnis gegen das Vergessen« organisiert, ein neonazistisches Bündnis, das seit 2007 von der freien Kameradschaftsszene getragen wird. Unter der offiziellen Bezeichnung »Gedenk- und Trauermarsch« fordert das Bündnis ein »würdevolles, authentisches Gedenken« an die Bombardierung der Stadt.

Sollten sich am 18. Februar dennoch Neonazis nach Dresden verirren, dürften sie auf starke Gegenwehr treffen. Dem Sprecher der Stadt, Kai Schulz, zufolge habe sich die Stadt mit Parteien, Verbänden, Kirchen und zivilgesellschaftlichen Gruppen auf »Protestaktionen in Hör- und Sichtweite der Nazi-Demonstration geeinigt«. »Dies ist ein weiterer großer Schritt der Bürgerschaft«, sagte er. Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich stellte sich überraschend an die Spitze der Aktion. Verschiedene zivilgesellschaftliche Gruppen, bei denen der CDU-Mann eher dafür bekannt ist, Aktivitäten von Neonazis in Sachsen zu verharmlosen oder zu ignorieren, reagierten skeptisch auf diese Nachricht: Man könne nicht glauben, dass Tillich einen Protest in »Hör- und Sichtweite« anführe, wenn die Gefahr bestünde, dass sich auch nur drei Nazis zu einer Demonstration formierten, ist dort zu hören – ein Zeichen, dass auch die Stadt keinen Aufmarsch am Samstag erwartet. »Dresden Nazifrei« hält dennoch an dem Aufruf zu Massenblockaden an diesem Tag fest, um Europas größten Aufmarsch von Neonazis, zu dem sich die Samstagsdemonstration entwickelt hatte, »endgültig Schachmatt zu setzen«. Sollten doch keine Neonazis aufmarschieren, so Bündnissprecher Paul Tschirner gegenüber der Jungle World, könne man immerhin feiern, dass die Dynamik ihrer Aufmärsche in Dresden gebrochen worden sei.

Zweifellos hat das linke Bündnis in den vergangenen Jahren viel geleistet. Doch der Jubel darüber, dass der Samstagsaufmarsch der Neonazis ein Ende gefunden habe, könnte verfrüht sein. In den letzten 14 Jahren kam es immer wieder vor, dass die Neonaziszene nur am eigentlichen Jahrestag der Bombardierung demonstrierte. Tschirner meint, »die NPD-JLO-Demonstrationen und der 13. Februar sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe«. Man rufe natürlich auch für diesen Tag dazu auf, die Neonazis zu stoppen, aber für eine bundesweite Mobilisierung reiche es nicht. Auf diese Weise könnten alle Beteiligten Erfolge vermelden: Die Neonazis werden am 13. Februar ihren Fackelmarsch mit mehreren Tausend Teilnehmern durchführen, das Bündnis »Dresden Nazifrei« kann am 18. Februar feiern, dass man die Nazis zurückgedrängt habe, und die Stadt Dresden wird verkünden können, dass die Dresdener Bürgerschaft den Aufmarsch am 18. Februar verhindert habe.

Ungeachtet aller Diskussionen um die Massenblockaden in Dresden und deren Erfolge rückte in den vergangenen Jahren die Auseinandersetzung mit dem Opfermythos, für den Dresden als Symbol steht, in den Hintergrund. Es scheint mittlerweile üblich geworden zu sein, Deutschen als Opfern des Krieges zu gedenken – wenn auch in Abgrenzung zu den Neonazis. So sagte die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth jüngst in Magdeburg, man dürfe nicht zulassen, dass die Nazis das »Leid«, das mit der Bombardierung verbunden gewesen sei, »missbrauchen«. Die Stadt Dresden wiederum hat die offizielle Trauerfeier, die alljährlich am 13. Februar auf dem Heidefriedhof stattfindet, umgestaltet, um sie besser vor einer »Vereinnahmung« zu schützen. Zukünftig sollen keine Kränze mehr an der Gedenkmauer niedergelegt werden, sondern weiße Rosen in einem Rondell aus Sandsteinsäulen.

Schulz erläuterte der Jungle World diesen Ge­denk­ort: »Stellvertretend für die Stätten des Krieges wurden 14 Orte ausgewählt.« Dabei stünden sieben Säulen für die Konzentrationslager von Auschwitz, Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Ravensbrück, Sachsenhausen und Theresienstadt; weitere vier symbolisierten die Zerstörung Coventrys, Leningrads, Rotterdams und Warschaus durch die deutsche Wehrmacht. Für die Massaker an der Zivilbevölkerung durch Wehrmacht und SS stünden wiederum Lidice und Oradur. Und schließlich: »Die Stele mit der Aufschrift Dresden erinnert an die Bombardierung Dresdens und die zivilen Opfer im Ergebnis des Kriegsverlauf«, so Schulz. Nach Meinung des antideutschen Bündnisses »Keine Versöhnung mit Deutschland!« steht das Konzept des Stelenkreises für genau das, was die Neonazis mit der Bezeichnung »Bombenholocaust« zum Ausdruck bringen wollen. Die Pressesprecherin des Bündnisses, Susen Blum, sagte im Gespräch mit der Jungle World: »Nazis und Bürger haben unterschiedliche Motive. Die einen wollen Rache und die anderen Versöhnung. Im entscheidenden Punkt sind sie sich allerdings einig: Mit ihrem Bezug auf die angeblich unschuldigen Bombenopfer wollen sie die Taten der Deutschen relativieren.« Das Bündnis fordert deshalb 67 Jahre nach der Bombardierung Dresdens, das Gedenken daran endlich abzuschaffen.

Verprügeln mit Fair Play

Jungle World Nr. 36, 8. September 2011

von Michael Bergmann

In Dresden hat Ende August ein Prozess gegen fünf Hooligans begonnen. Die Staatsanwaltschaft und das LKA ermittelten wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung.

Die Angeklagten im Prozess gegen die »Hooligans Elbflorenz« könnten den Durchschnitt der männ­lichen deutschen Bevölkerung zwischen 19 und 35 Jahren repräsentieren: ein Versicherungskaufmann, ein Inhaber eines Parkettstudios, ein Türsteher, ein Auszubildender und ein organisierter Neonazi. Ihre Gemeinsamkeit besteht in der Freude an gewalttäigen Auseinandersetzungen mit Ihresgleichen: Über Jahre hinweg sollen die fünf Männer Anführer einer Gruppe von bis zu 50 Hooligans gewesen sein, die sich in der bundesdeutschen Szene durch zahlreiche erfolgreiche »Matches« einen Namen gemacht hat. Bei diesen »Matches« handelt es sich um sogenannte Dritt­ort­auseinandersetzungen, das heißt um Verab­redungen mit anderen Hooligan-Gruppen, um nach vereinbarten Regeln, jenseits von Stadion und Ligabetrieb, aufeinander loszugehen. Ein »Match« dauert in der Regel nicht länger als eine Minute. Die Staatsanwaltschaft Dresden und eine Sonderermittlungsgruppe des LKA Sachsen vermuteten die Bildung einer kriminellen Vereinigung und verfolgten die Gruppe.

Zahlreiche Telefonate wurden über einen Zeitraum von wahrscheinlich mehr als zwölf Monaten abgehört, mindestens ein verdeckter Ermittler wurde eingeschleust, es wurden Observationen durchgeführt und Hausdurchsuchungen vorgenommen. Dass man in Sachsen manchmal zu einer speziellen Rechtsauslegung neigt, ist nicht neu (Jungle World 34/2011). So wurden im Ermittlungsverfahren nach Angabe des Rechtsanwaltes Rolf Franek die Gespräche zwischen Verteidigung und Mandanten vom LKA abgehört und protokolliert. Bei der ersten Akteneinsicht seien diese Protokolle noch zugänglich gewesen, inzwischen seien sie entfernt worden. Weitere Kompetenzüberschreitungen der Behörden werden nach Ansicht der Verteidigung in der Hauptverhandlung, die mit 31 Verhandlungstagen bis Weihnachten angesetzt ist, eine Rolle spielen. Die große Frage der ersten Verhandlungstage ist die Feststellung der Sittenwidrigkeit der verabredeten »Matches«. Die Verfolgung von Hooligans nach Paragraph 129 des Strafgesetzbuches ist ein Novum in der deutschen Rechtsgeschichte, das stellten sowohl die Verteidigung als auch der Vorsitzende Richter des Landgerichtes fest. Franek argumentiert, dass eine Körperverletzung mit Einwilligung des Verletzten grundsätzlich nicht rechtswidrig sei, wenn keine Sittenwidrigkeit vorliege. Die vorher von den Beteiligten vereinbarten Regeln der »Matches« schlössen eine solche Sittenwidrigkeit aus.

Der Schweizer Soziologe und Hooligan-Experte Marice Illi sagte gegenüber der Jungle World: »Hooligans im klassischen Sinne, die ihre Aktionen bewusst planen und mit den gegnerischen Hooligans teils sogar in kollegialem Kontakt stehen, halten sich bei ihren Kämpfen an einen Ehrenkodex: gleich große Gruppen, kein schweres Schuhwerk, keine Waffen, kein Nachtreten bei Fall zu Boden. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass bei einem fairen Fight dies auch eingehalten wird.«

Die Verteidigung hat einen Journalisten des Magazins Playboy geladen, der in der aktuellen Ausgabe über das »Brutalo Rugby«-Turnier im Calcio-Storico in Florenz berichtet. Dieser und andere Sachverständige aus dem Box- und Kampf­sport sollen das Gericht darüber aufklären, dass es »im europäischen Kulturkreis Sportarten gibt, bei denen das Verletzungs- und Tötungsrisiko deutlich größer ist als in verabredeten Hooligan-Matches«. Das Gleichbehandlungsgebot verbiete daher die Verurteilung der Angeklagten. Beim Prozess am Dresdner Landgericht wird ein Grundsatzurteil zur Frage der Strafbarkeit solcher »Matches« erwartet. Illi verweist darauf, dass Repression nichts am Vorhandensein gewalttätiger Subkulturen ändern kann: »Unsere Gesellschaft, wenn auch immer zivilisierter, bringt ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft mit sich. Wenn durch solche Hooligan-Aktionen dieses Potential auf Feld, Wald und Wiese abgebaut werden kann, sehe ich darin nicht nur Nachteile.«

Sex unterm Hakenkreuz

Jungle World Nr. 3, 19. Januar 2012

von Michael Bergmann

Der Film »Die Kriegerin« erzählt die Geschichte rechtsextremer Frauen in einer Naziclique in der ländlichen Region Ostdeutschlands.

Nur selten schafft es eine Abschluss­arbeit aus einer Hochschule für Film und Fernsehen auf die große Kinoleinwand. David Wnendts Film »Die Kriegerin«, entstanden als Abschlussarbeit für die Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam-Babelsberg, ist eine der wenigen Ausnahmen – und das ist bereits ein großer Erfolg für den jungen Filmemacher. Für seine Geschichte über junge rechte Frauen hat der 1977 in Gelsenkirchen geborene, in Berlin lebende Wnendt zwei Jahre in der Szene recherchiert. Er ist auf Nazidemonstrationen mitgelaufen, hat sich in rechten Dating-Portalen ein Profil angelegt, um sich mit Frauen zu treffen und mit ihnen Gespräche zu führen. Der bereits mit mehreren Nachwuchspreisen ausgezeichnete Film will zeigen, dass solche Frauen genauso rassistisch und gewalttätig sind wie die Männer der Naziszene.

Im Filmtheater Schauburg in Dresden, wo in der vergangenen Woche die Uraufführung stattfand, wurde Wnedt und seinem Filmteam der rote Teppich ausgerollt. Der Film erntete viel Applaus. Das dürfte auch damit zu tun haben, dass ein Film über junge Nazis in Ostdeutschland wohl zu kaum einem besseren Zeitpunkt in die Kinos kommen könnte. Nach dem Auffliegen der Terrorzelle »Nationalsozialistischer Untergrund« wird das Thema in der deutschen Öffentlichkeit stärker wahrgenommen. Auch deshalb fragt man sich, wem der Applaus am Ende der Vorführung eigentlich galt. War es tatsächlich die Leistung des Filmemachers, die gefeiert wurde, oder wurde einmal mehr die vermeintliche Leistung der Deutschen bei der Aufarbeitung des Nazismus beklatscht?

Im Mittelpunkt der Handlung steht Marisa (Alina Levshin), die sich stets hart gibt und selten Gefühle zeigt. Ihren Mitmenschen begegnet die Frau Anfang 20 mit provokanter Herablassung. Sie gefällt sich in der Rolle der Kompromisslosen. In einer Demokratie, in der jeder mitbestimmen kann, »Alkoholiker, Junkies, Kinderschänder, Neger, Leute, die zu blöd sind, ihren Hauptschulabschluss zu schaffen, Leute, denen dein Land einfach scheißegal ist«, in einer solchen Gesellschaft herrscht für sie Krieg. Und im Krieg ist eben alles erlaubt. Und es gibt Opfer. Die Plätze, an denen Marisa und ihre Freunde sich aufhalten, werden für andere schnell zu gefährlichen Orten. Jeder kann aus irgendeinem Grund von ihnen angegriffen werden. Mal ist das Basecap der Anlass, mal der Döner, den jemand isst, der Migrationshintergrund oder ein falscher Blick. Ein Grund findet sich immer. Marisa und ihre Freunde treten und schlagen hemmungslos zu, wann immer sich die Gelegenheit dazu bietet.

In einer solchen Situation reißt die Hauptfigur die Augen auf, bewegt sich selbstbewusst, aalt sich genüsslich in ihrer Überlegenheit gegenüber dem Angegriffenen. Wer der Gruppe um Marisa begegnet, kann nicht einfach die Straßenseite wechseln, um Ärger zu vermeiden. Dennoch gibt es die Momente, in denen die Protagonistin nachdenklich wird. Dann hat sie mit ihrer Unsicherheit zu kämpfen, die sonst hinter ihrer aggressiven Fassade versteckt bleibt. Es sind Momente, in denen es um ihren Großvater (Klaus Manchen) geht. In seiner Nähe wird sie wieder zu dem kleinen Mädchen, dem er damals am Ostseestrand erzählte, dass sie nicht alles glauben dürfe, was in der Schule über den Nationalsozialismus gelehrt wird.

Nun liegt er im Sterben. Marisa legt ihren Kopf auf seine Brust, und der Großvater legt seine Lebensbeichte ab: »Ich habe in meinem Leben so viel Schlimmes gemacht, das reicht für vier. Was du auch gemacht hast, so schlimm kann das gar nicht gewesen sein. Aber man muss für alles bezahlen und geradestehen. Und den Dreck wegmachen, den man gemacht hat.« Als der aus Afghanistan stammende Rasul (Sayed Ahmad Wasil Mrowat) in ihrem Leben auftaucht, setzt eine Veränderung ein. Es beginnt mit einer Nötigung: Marisa drängt ihn und seinen Bruder mit ihrem Auto brutal von der Straße ab. Aber bald meldet sich bei ihr das schlechte Gewissen.

Während Marisa beginnt, an den Ideologien, die in ihrem Umfeld propagiert werden, zu zweifeln, beschreitet die 15jährige Svenja (Jella Haase) den Weg in die Naziszene. Die neuen Freundschaften ermöglichen es ihr, sich von ihrem autoritären und sadistischen Stiefvater zu lösen. Er durchsucht ihre Hosentaschen regelmäßig nach Zigaretten, lässt sich von ihr anhauchen und zwingt sie, eine ganze Schachtel vor seinen Augen aufzurauchen, als er sie schließlich mit einer Zigarette erwischt. Svenja haut von zu Hause ab und hinterlässt an der Wohnzimmerwand den Schriftzug »Nationaler Widerstand! Sieg Heil!« und ein Hakenkreuz. Sie habe ihren Eltern eine Nachricht hinterlassen, erzählt sie Marisa.

Als das Zwickauer Terrornetzwerk aufflog, war »Die Kriegerin« bereits abgedreht. Der Film zeigt die rechte Szene so, wie die Mehrheit der Deutschen sie wohl gerne sehen will: Nazis sind saufende, prügelnde Verlierertypen mit eintätowierten Hakenkreuzen und Springerstiefeln. Die politischen Ansichten der Hauptfiguren bleiben holzschnittartig, Anknüpfungspunkte an gesellschaftlich mehrheitsfähige Diskurse werden nicht benannt. Der Blick wird auf den sogenannten Rand der Gesellschaft gelenkt, auf eine kleine Gruppe von Deliquenten mit Desintegrationserfahrungen. So kann man sich entspannt in den Kinosessel fallen lassen und Mitleidsbekundungen abgeben über die fehlgeleiteten Jugendlichen aus den kaputten Familien. Der Film soll auch im Schulunterricht eingesetzt werden. Auf der Website zum Film werden Lehrmaterialien bereitgestellt. Lehrerinnen und Lehrer werden den Film lieben, denn er ist genau das, was sie brauchen. Die Beschäftigung mit der eigenen Rolle und dem Rassismus der Mehrheitsgesellschaft bleibt unnötig. Die prügelnden, dummen und saufenden Glatzen mit ihren Hakenkreuzen sind schließlich das Problem. Da wäre zum Beispiel Sandro (Gerdy Zine), der in der Gruppe hohe Anerkennung genießt. Für Marisa ist er neben ihrem Großvater der einzige Mensch, zu dem sie aufschaut. Er schafft es, durch besondere Brutalität zu beeindrucken.

Warum aber ein Film über schlagende und saufende Neonazis präventiv gegen rechte Ideologien wirken soll, ist unklar. Abgestandene Klischees über die Naziszene werden hier abermals verbreitet. Symptomatisch dafür sind die Hauptfiguren Marisa mit ihrer klassischen Renee-Frisur und ihr Skinhead-Freund Sandro. Es wirkt, als seien sie einer Broschüre zum Thema »Rechte Symbole, Zeichen, Codes« entsprungen. Neben tätowierten Hakenkreuzen finden sich auf ihren Körpern Runen, Aufschriften wie »Blut und Ehre«, »14 Words« und weitere NS-Folklore. Sex findet ausschließlich unter einer drei mal drei Meter großen Hakenkreuzfahne statt. Alkohol und Gewalt dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Marisas Mutter ist selbstverständlich alleinerziehend und schenkt ihrer Tochter wenig Anerkennung. Die heterosexuelle Kleinfamilie wird im Film als Ideal hochgehalten. Als Erklärung für das Abgleiten der Jugendlichen dient, dass sie allesamt aus »kaputten Elternhäusern« kommen.

David Wnendt ist mit seinem Film »Die Kriegerin« angetreten, um ein differenziertes Bild über die moderne Naziszene zu liefern. An diesem Anspruch ist er leider gescheitert.

Zwickau is in Germany

Jungle World Nr. 49, 8. Dezember 2011

von Michael Bergmann

Das Bundesland Sachsen gilt als Hochburg des organisierten Neonazismus. Die Unterzeichner des »Zwickauer Appells« sorgen sich vor allem um Sachsens Image.

Mit der Explosion einer Wohnung im Zwi­ckau­er Stadt­teil Wei­ßen­born begann am 4. November die Aufregung. Das Ereignis machte in der westsächsischen Stadt schnell die Runde, Hunderte Schaulustige fanden sich an diesem Tag hinter den Absperrungen der Polizei ein, um einen Blick auf das zerstörte Haus zu werfen. Seitdem bekannt wurde, dass die Explosion im Zusammenhang mit dem mutmaßlichen Selbstmord zweier Neonazis und ihrem terroristischen Treiben steht, gibt es nur noch dieses eine Thema in der Stadt. Die Rede von der »Zwickauer Zelle« oder dem »Zwickauer Trio«, das jahrelang mordend durch die Republik zog, ist auch in den deutschen Medien allgegenwärtig.

Dass dabei ausgerechnet eine sächsische Stadt der Ort war, von dem aus die Gruppe namens »Nationalsozialistischer Untergrund« (NSU) operierte, ist keine Überraschung. Seit den neunziger Jahren gilt Sachsen zurecht als eine der Hochburgen des organisierten Neonazismus in der Bundesrepublik. In keinem anderen Bundesland sind Neonazis sowohl parteiunabhängig als auch in der NPD seit Jahren so gut organisiert. Die Zahl der neonazistischen Übergriffe auf andere Menschen ist seit vielen Jahren äußerst hoch. Dennoch schaffen es ausgerechnet die Politiker in Sachsen immer wieder, sich überrascht zu zeigen, wenn es einen gewalttätigen Übergriff oder gar Tote gibt. Zwickau ist da keine Ausnahme, die Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) veröffentlichte zusammen mit dem DGB Südwestsachsen etwa zehn Tage nach dem Bekanntwerden der Terrorgruppe einen »Zwickauer Appell für Demokratie und Toleranz«.

Die zentrale Aussage des »Zwickauer Appells« ist, dass »Zwickau keine Heimstätte rechtsextremen Terrors ist«. Diese Botschaft ist den Verantwortlichen wichtig, schließlich geht es um das Image der Stadt. Die DGB-Regionsvorsitzende Sabine Zimmermann sagte der Freien Presse: »Mit Zwickau hat das Ganze nichts zu tun!«

Inhaltlich ist der Appell so vage gehalten, dass ihn vom rechten Rand der sächsischen CDU über Kirche, Wohlfahrtsverbände, Sportclubs bis hin zu linken Vereinen offenbar jeder ohne Bedenken unterschreiben konnte. Es geht um »Betroffenheit«, »die Absage gegenüber braunem Gedankengut« und »Demokratie und Toleranz«. Unter den Unterzeichnern findet sich Michael Wilhelm, Staatssekretär im sächsischen Innenministerium, der als rechter Hardliner der CDU gilt. Vor wenigen Wochen erregte er noch die Aufmerksamkeit der Medien, weil er gemeinsam mit Findeiß auf einem Foto mit dem NPD-Kreisrat Jens Gatter posiert hatte. Entstanden war das Bild beim jährlich stattfindenden »Schwimmen für Demokratie und Toleranz«, an dem die NPD und ihre Jugendorganisation JN seit einigen Jahren teilnehmen. In diesem Jahr fand die Veranstaltung in Zwickau statt. Auch die sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Gitta Schüßler war unter den Gästen. Angesprochen auf das Foto, auf dem Wilhelm dem NPD-Mann die Schwimmurkunde überreicht, sagte der Staatssekretär der Zeit zufolge: »Dann müssen die Demokraten eben schneller schwimmen.« Schirmherr der Schwimmveranstaltung war Sachsens Innenminister Markus Ulbig (CDU), der gemeinsam mit dem Justizminister Jürgen Martens (FDP) ebenfalls zu den Unterzeichnern des »Zwickauer Appells« zählt. Beide sind verantwortlich für die großangelegte Überwachung der Proteste gegen Europas größten Naziaufmarsch im Februar in Dresden. Seit Ulbig und Martens im Amt sind, wurden sie nicht müde zu betonen, dass es stets um einen Kampf gegen jegliche Formen des Extremismus gehe und man nicht nur nach rechts schauen dürfe.

Auch der Oberbürgermeister von Limbach-Oberfrohna, Hans-Christian Rickauer (CDU), hat den Appell unterzeichnet. Er ist in den vergangenen drei Jahren zum Inbegriff für die sächsische Ignoranz gegenüber rechter Gewalt im ländlichen Raum geworden. Die Nazis in Limbach-Oberfrohna terrorisieren alle, die nicht ihren Vorstellungen entsprechen, verübten Körperverletzungen und Brandstiftungen (siehe Jungle World 27/11). Für den Oberbürgermeister sind das Streitigkeiten unter Extremisten, getreu dem Motto: Würden sich die einen nicht so liederlich anziehen, dann würden die anderen sie nicht angreifen.

Als prominenter Sportclub der Region hat der Oberliga-Fußballverein FSV Zwickau, vertreten durch seinen Präsidiumssprecher Gerhard Kneef, den »Zwickauer Appell für Demokratie und Toleranz« unterschrieben. Fans des Vereins sind Ende November bei einem Ligaspiel gegen die zweite Mannschaft von Erzgebirge Aue neben dem üblichen Skandieren antisemitischer und homophober Parolen durch den Sprechchor »Terrorzelle Zwickau – olé olé olé« aufgefallen. Nach der Partie sei aus der FSV-Mannschaftskabine zwischen den »Sieg«-Rufen mindestens einmal auch ein »Heil« zu vernehmen gewesen, wie das Präsidium in einer Stellungnahme zugibt. Der Staatsschutz ermittelt inzwischen wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Das Präsidium des FSV Zwickau schrieb auf seiner Website, dass man sich »gegen derartige Verunglimpfungen« verwahre. Man gehe davon aus, dass man das Problem des »Sieg-Heil«-Rufs eines Spielers mannschaftsintern ­lösen werde.

Die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Appells trafen sich gemeinsam mit etwa 2 000 Menschen am 25. November in Zwickau zu einem »Marsch der Anständigen«, um das in solchen Fällen übliche »Zeichen zu setzen«. Unter den Anwesenden waren auch etwa 100 Teilnehmer der regionalen Antifa, die sich kritisch äußerten. Sie bezeichneten die Veranstaltung als »widerwärtiges Lehrbeispiel deutscher Schuldabwehr«, das in seiner »ekelerregenden Raffinesse« kaum zu überbieten sei. Zwickau ist laut Auskunft der regionalen Antifa-Gruppen »für Nazis seit vielen Jahren eine ausgezeichnete Adresse«. Im Jahr 2006 stattete der damalige NPD-Parteivorsitzende Udo Voigt dem bereits damals gut etablierten Kreisverband einen persönlichen Besuch ab. Bis 2009 betrieb Peter Klose, der von 2006 bis 2009 für die NPD im Landtag saß, in Zwickau ein Bürgerbüro. Derzeit ist die Partei mit vier Abgeordneten im Kreisrat vertreten.

Doch auch die parteiunabhängige Szene ist in dem Ort hervorragend aufgestellt. So gibt es eine subkulturell geprägte NS-Hardcore-Szene rund um die Band »Moshpit«, eine Kameradschaft namens »Nationale Sozialisten Zwickau« sowie eine Reihe von Szeneläden und rechten Kampfsportveranstaltungen. Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe hätten eine bessere Heimstätte kaum finden können. Für Kameradschaft war gesorgt. Die regionale Naziszene ist über die Kanäle des »Freien Netzes« in überregionale Strukturen eingebunden. Gewalttätige Übergriffe von Neonazis stehen wie überall in Sachsen auch in Zwickau auf der Tagesordnung. Die Höhepunkte in diesem Jahr waren ein Überfall von etwa 40 Neonazis auf eine Demonstration für ein »Alternatives Jugendzentrum« im Mai und ein brutaler Angriff Dutzender vermummter Neonazis auf eine Gruppe Punks am Rande des Stadtfestes im August. Wenige Wochen vor Bekanntwerden der neonazistischen Terrorgruppe brach die Stadt Zwickau die Gespräche mit jungen Menschen über ein geplantes alternatives Jugendzentrum ab. Grund dafür war die Angst, dass Angriffe von Neonazis auf ein solches Jugendzentrum das Image der Stadt schädigen könnten.